Akademische Reitkunst Hamburg
Akademische Reitkunst  Hamburg

Grundprinzipien

Die Physische Ausbildung des Pferdes arbeitet auf zunehmende Hankenbiegung hin und beruht auf den Elementen Balance, Losgelassenheit, Form, Tempo, Takt und Schwung. Diese sind in jeder Ausbildungsphase von essentieller Bedeutung und greifen ineinander über bzw. beeinflussen sich gegenseitig. Ein Pferd, das z.Bsp. Schwierigkeiten hat, sich unter dem Reitergewicht auszubalancieren und in Wendungen ständig auf eine Schulter fällt, wird sich - um nicht umzufallen - versteifen müssen, kann also gar nicht wirklich loslassen. 

Balance- von Natur aus sind Pferde wie Menschen schief. Diese natürliche Schiefe gilt es zu erkennen und sanft zu korrigieren. Nur ein ausbalanciertes Pferd, kann einen Reiter ohne gesundheitliche Schäden losgelassen tragen. Pferde sind genauso wie Menschen Rechts- oder Linkshänder (bessere Ausdruck wäre wohl Füßler). Ein Hinterbein bewegt sich mehr außerhalb der Körpermasse, auf diese Seite biegen die Pferde leichter. Das andere Hinterbein kommt immer mehr in eine schiebende Tätigkeit, auf dieser Seite biegen die Pferde ungern, da hierbei die gegenüberliegende Seite, die gerne verkürzt, gedehnt werden müßte. Diese Schiefe führt zu einer Überlastung einer Schulter auf gebogenen Linien - die Pferde fallen auf ihrer "steifen" Seite auf die innere Schulter, auf ihrer "biegsamen" Seite mit dem sich freimachenden Hinterbein weichen sie über die äußere Schulter aus. Unkorrigiert kann dies zu einem schiefen Becken und immer wieder auftretenden Blockaden im Lendenbereich führen. 

Losgelassenheit - eine Lektion ist nur wirklich sinnvoll, wenn das Pferd diese losgelassen ausführen kann. Abstoßen vom Zügel, Versteifen der Hinterhand, fehlender Rückenschwung, harte, stoßende Bewegungen sind klare Indikatoren von fehlender Losgelassenheit. Pferde, die nicht loslassen wirken unter dem Reiter oft sehr angespannt, was manchmal zu Unrecht als Temperament und Schwung interpretiert wird. 

Form - Wendungen, Zirkel, Reiten in der Bahn erfordern eine bestimmte Form, damit das Pferd unter dem Reiter keinen Schaden nimmt. Bei einem losgelassen Pferd kann ein kundiger Reiter vom Kiefer über den Atlas durch die gesamte Wirbelsäule bis hin zur Hüfte alle Wirbel in einer bestimmte Form rotieren lassen. Dies ermöglicht eine optimale Kraftübertragung aus der Hinterhand durch den ganzen Körper. Die Vorhand schwingt frei nach vorne bzw. oben, der Hals richtet sich relativ zur Hinterhandtätigkeit auf. Am Anfang der Ausbildung wird die Form über Kopf / Kieferstellung - also von vorne nach hinten - erzeugt. Im Laufe der Ausbildung immer mehr durch den Sitz über die Platzierung der Hüfte - also von hinten nach vorne. Wichtig ist das die Form gleichmäßig durch den ganzen Körper geht und nicht ein sehr biegsames Körperteil wie der Halsansatz überbogen wird. Dies blokiert die Hüfte und führt zu zunehmend schlechter Kraftübertragung aus der Hinterhand. 

Tempo - "Reite Dein Pferd vorwärts und richte es gerade", dieser Maxime des großen Reitmeisters Gustav Steinbrecht getreu bilden die Akademischen Reiter aus. Vorwärts im Sinne der alten Meister heißt nicht in hohem Tempo vorwärts, sondern maximaler Vorgriff aus der Hinterhand, wie er in der Piaffe erreicht wird. Hier schwingen die Hinterbeine nur vorwärts - aufwärts, Rückschub findet nicht mehr statt.  

Takt - die Reinerhaltung der natürlichen Gänge ist in der Reitkunst essentiel. Ein Schritt ist ein klarer Viertakt, ein Trab hat eine klare Diagonale, d.h. der vorgreifende Hinterfuß bewegt sich parallel zum diagonalen Vorderbein, ein Galopp ist klar ein Dreitakt mit Schwebephase. Jegliche Passverschiebung ist ein Indikator für fehlenden natürlichem Schwung im Rücken. 

Schwung - ist die natürliche dreidimensionale Schwingung der Wirbelsäule. In der akademischen Reitkunst ist das Ziel Rückengänger zu entwickeln. Bei einem Rückengänger schwingt der Rücken im Takt der Hinterbeine. Das Gegenteil wäre ein Schenkelgänger, der auf Schenkeleinwirkung die Füße in einem bestimmten Takt bewegt, der nicht vom Rücken mitgetragen wird. Ein optischer Trab, der im Rücken keinen Trabschwung erzeugt (fester Rücken) ist kein Trab. Rückengänger sind bequem zu sitzen, Schenkelgänger in der Regel nicht.